Floppy Controller

Hersteller:

Unbekannt

Art des Zubehörs:

Interface/Adapter

Anfang der 1980er Jahre gab es weltweit (vor allem in Taiwan, Hongkong, aber auch in Europa) hunderte Hersteller, die den Apple II und sein Zubehör eins zu eins kopierten. Bekannte Namen waren beispielsweise ITT 2020, Basis 108, Orange+, Franklin Ace oder unzählige namenlose „Europlus“-Klone.
Diese Fabriken kauften oft dieselben Bauteile wie Apple – inklusive der urheberrechtlich geschützten PROM-Chips P5 und P6 (die entweder kopiert, illegal nachgefertigt oder aus denselben Halbleiterwerken bezogen wurden) – und bauten die originale Apple-Platine exakt nach. Für den Endkunden war diese Karte im Betrieb absolut nicht vom Original zu unterscheiden.

Es handelt sich hier um einen historisch wertvollen Zeitzeugen der Klon-Kriege der frühen 80er Jahre. Während die originale Apple-Karte von Sammlern gesucht wird, sind solche extrem exakten, professionell gefertigten Klon-Karten mit dokumentierten Fabrikationsdaten aus dem Frühjahr 1981 für Historiker mindestens genauso spannend. Sie zeigen, wie perfekt die Industrie damals funktionierte, um den Heißhunger des Marktes nach Floppy-Controllern zu stillen.

Da sie die originalen PROM-Chips besitzen, verhalten sie sich technisch zu 100 % wie eine originale Apple-Karte.

Die "Gefahr" des verpolten Kabels
Ein berühmt-berüchtigtes Merkmal der Karte ist das Fehlen eines mechanischen Verpolungsschutzes (Nase) bei den frühen Flachbandkabeln. Wenn ein Benutzer das Kabel des Disk-II-Laufwerks um einen Pin versetzt oder verkehrt herum auf die Karte steckte und den Rechner einschaltete, wurden die empfindlichen Logikbausteine (speziell der Schrittmotor-Treiber ULN2003 im Laufwerk selbst) augenblicklich durchgebrannt. In der Retro-Szene wird dies bis heute scherzhaft als "the magic smoke release" bezeichnet.

Technische Daten

Anschluß:

Apple II Bus

Layout:

Interface/Adapter

option-1

Herstellerbezeichnung:

46315A

Intern/Extern:

Extern

Baujahr:

1982

Einführungspreis:

DM

98.00

  • Softwaregetriebener Controller: Während andere Controller-Karten der Epoche Dutzende von Logik-ICs oder teure, dedizierte Controller-Chips benötigten, nutzte Wozniak die Rechenkraft der Apple-II-CPU (6502). Die Karte selbst besitzt im Grunde keine eigene "Intelligenz".

  • Die Bauteil-Bestückung: Die Karte kommt mit extrem wenigen Bauteilen aus:

    • Nur acht simple Logik-Chips (74-Serie).

    • Ein winziges State-Machine-PROM (oft als "P5" oder "P5A" bezeichnet), das die grundlegende Ablaufsteuerung für das Lesen und Schreiben von Daten regelt.

    • Ein Boot-ROM (bezeichnet mit "P6" oder "P6A"), welches den eigentlichen Startcode (Bootloader) für das DOS-Betriebssystem enthält.

  • GCR-Kodierung: Statt der damals üblichen MFM- oder FM-Kodierung entwickelte Wozniak das GCR-Verfahren (Group Coded Recording), um Daten extrem effizient auf der Magnetscheibe zu platzieren. Das sparte teure Hardware-Komponenten ein und verlagerte die Logik komplett in die Software.

  • Zwei Laufwerke pro Karte: Die Karte besitzt an der Oberseite zwei 20-polige Pfostenstecker. Sie kann standardmäßig ein Primärlaufwerk (Drive 1) und ein Sekundärlaufwerk (Drive 2) ansteuern.

  • Schnittstellen-Position: Im Normalfall wurde die Disk II Interface Card im Slot 6 des Apple II betrieben. Beim Einschalten des Computers sprang der Apple II direkt in das Boot-ROM der Karte und startete die Diskette in Laufwerk 1.

  • Speicherkapazität: Ursprünglich bot die Karte Platz für 114KiB pro Diskettenseite (unter Apple DOS 3.2 mit 13 Sektoren). Mit dem Erscheinen von DOS 3.3 im Jahr 1980 wurde das Timing im P6-ROM leicht optimiert, wodurch 140KiB (16 Sektoren) pro Seite gespeichert werden konnten.