Siemens Control Mouse

Hersteller:

Mouse Systems / Siemens AG

Art des Zubehörs:

Mouse

Die Teilenummer 401162-034/52 (oft eng verwandt mit der -035 Serie) bezeichnet eine legendäre optische 3-Tasten-Maus, die von der Mouse Systems Corporation (MSC) in den späten 1980er Jahren entwickelt wurde.
Dieses Modell ist besonders berühmt, weil es als Erstausrüster-Hardware (OEM) für die hochpreisigen Unix-Workstations von Sun Microsystems (unter der Sun-Teilenummer 370-1170-01) M4 Optical Mouse - Computer History Museum sowie für industrielle Steuerungssysteme von Siemens (Siemens Simatic / Bedienmaus) Siemens Control Mouse lizenziert und eingesetzt wurde.
 
Die wichtigsten technischen Besonderheiten:
  • Die Ur-Form der optischen Maus: Im Gegensatz zu modernen optischen Mäusen, die auf fast jeder Oberfläche funktionieren, benötigt diese Maus zwingend ein spezielles, reflektierendes Metall-Mauspad. Auf diesem Pad ist ein feines, blau-graues Gitternetz aufgedruckt. Zwei LEDs an der Unterseite (eine rote und eine infrarote) strahlen auf das Pad, und ein optischer Sensor zählt die kreuzenden Linien, um die Position zu bestimmen. Ohne dieses Spezialpad bewegt sich der Zeiger keinen Millimeter.
  • Das markante 3-Tasten-Layout: Typisch für Unix- und CAD-Umgebungen der damaligen Zeit besitzt sie drei längliche, eckige Tasten. Während Windows-PCs damals meist zwei Tasten nutzten, war die mittlere Taste für die Menüführung in Systemen wie SunOS oder X Window unverzichtbar.
  • Proprietäres Protokoll & Stecker: Die Maus arbeitet mit dem sogenannten Mouse-Systems-Protokoll (5-Byte-Datenstrom bei 1200 Baud). Je nach Einsatzzweck (Sun oder Industrie) besitzt sie meist einen 8-poligen Mini-DIN-Stecker anstelle eines normalen PC-Seriellanschlusses. Sie benötigt eine konstante Stromversorgung von 5 Volt direkt über die Schnittstelle.
 
Warum findet man Siemens-Bezeichnungen auf einer Sun/Mouse Systems Maus?
In der Industrieautomatisierung (z.B. bei älteren Siemens Simatic S5/S7 Werkssystemen oder Industrie-Panels) kaufte Siemens exakt diese extrem zuverlässigen und verschleißfreien optischen Mäuse von Mouse Systems ein und versah sie mit einer eigenen Artikelnummer (wie 6ES5685-2AA11) Siemens Control Mouse. Da sie keine mechanische Kugel besaß, konnte sie nicht durch Staub, Öl oder Abrieb in Fabrikhallen verschmutzen, was sie im industriellen Bereich unschlagbar langlebig machte.
Genauer gesagt gehört dieses Modell 401162-034/52 (Siemens-Teilenummer: 6ES5685-2AA11) zu den historischen Siemens PG685 und Siemens PC-11 Systemen, die in den späten 1980er Jahren für die Programmierung von Simatic S5 Steuerungen eingesetzt wurden.
 
Warum war diese Maus an einem Siemens PG so wichtig?
  • Harte Industrieumgebung: Ein Siemens Programmiergerät (PG) wurde direkt in Werkshallen, an staubigen Schaltschränken und Maschinen eingesetzt. Eine herkömmliche Kugelmaus wäre dort durch Öl und Abrieb innerhalb von Tagen blockiert. Siemens kaufte deshalb die verschleißfreie, optische Technologie von Mouse Systems ein.
  • Das Spezial-Infrarot-Pad: Da sie von einem PG stammt, funktionierte sie am Arbeitsplatz nur zusammen mit dem originalen, silber-glänzenden Siemens-Mauspad, das ein feines Gitternetz besaß.
  • Schnittstelle: Angeschlossen wurde sie meist über die proprietäre serielle Schnittstelle des PG 685, weshalb sie sich nicht ohne Weiteres an einen normalen IBM-kompatiblen PC oder spätere Field PGs anschließen lässt.
Um diese historische Siemens/Mouse Systems Maus (401162-034/52) mit dem originalen Metall-Mauspad an einem modernen PC oder einer Unix-Workstation (wie einer alten Sun, SGI oder einem Retro-PC) zu betreiben, gibt es eine hervorragende Nachricht: Das elektronische Protokoll der Maus ist Standard-RS232-seriell.
Die Maus spricht das klassische Mouse Systems Protokoll (5 Bytes, 1200 Baud) [Herb's SGI and Sun equipment, DIY PS/2 -> Sun mouse converter ? | Ars OpenForum]. Die einzige Hürde ist die physische Verkabelung und die Stromversorgung, da Siemens ein eigenes Pinout auf dem Stecker verwendet hat.
Hier sind die Wege, wie man einen Adapter realisieren oder nutzen kann:
 
Variante 1: Anschluss an eine klassische Unix-Workstation (Sun / SGI)
Wenn du die Maus an einer Unix-Workstation mit 8-poligem Mini-DIN-Mausanschluss (wie Sun-3, Sun-4, SPARCstation) betreiben willst, benötigst du einen passiven Kabeladapter. Da Siemens das identische Signalprotokoll von Sun verwendet hat, müssen lediglich die Leitungen richtig zugeordnet werden:
  • Stromversorgung (+5V) und Masse (GND) der Maus müssen auf die entsprechenden Pins der Workstation gelegt werden [Herb's SGI and Sun equipment, Pinouts for Keyboard and Mouse Interfaces - Mikrocontroller.net].
  • Das TxD (Sende-Signal) der Maus wandert an den RxD (Empfangs-Kanal) des Workstation-Mausports.
Variante 2: Anschluss an einen Standard-PC (mit echtem COM/Seriell-Port)
Möchtest du die Maus an einem x86-Retro-PC (MS-DOS / Windows 95) betreiben, kannst du dir einen Adapter auf einen Sub-D 9-poligen seriellen Stecker (COM-Port) bauen.
  • Das Problem: Ein normaler PC-Seriell-Port liefert über seine Datenleitungen (wie RTS/DTR) meist nicht genug stabile 5-Volt-Spannung für die stromhungrigen Infrarot-LEDs dieser frühen optischen Maus.
  • Die Lösung: Der Adapter muss eine externe 5V-Einspeisung erhalten (z. B. über ein USB-Kabel, das du nur für den Strom ansteckst, oder ein kleines Netzteil). Das TxD-Signal der Maus wird dann mit Pin 2 (RxD) des PC-COM-Ports verbunden [Rs232 pinout "8 pin mini din" Help.]. Unter MS-DOS lädst du anschließend einfach den Standard-Treiber MOUSE.COM mit dem Parameter für Mouse Systems (meist mouse /m).
Variante 3: Anschluss an einen modernen USB-PC (Windows 10/11, Linux, Mac)
Da moderne PCs keine seriellen Ports oder Mouse-Systems-Treiber mehr besitzen, ist hier ein aktiver Konverter notwendig. Ein passiver USB-zu-Seriell-Adapter reicht nicht aus, da das Betriebssystem das Protokoll nicht versteht.
  • Hardware-Option: Du benötigst einen kleinen Mikrocontroller (z. B. einen Arduino Pro Micro oder Raspberry Pi Pico), kombiniert mit einem kleinen Pegelwandler-Board (z. B. MAX232 oder TTL-zu-RS232 Wandler), um die Signalspannung der Maus sicher zu verarbeiten.
  • Die Software: Auf GitHub gibt es Open-Source-Projekte wie USB2Sun oder generische Serial-to-USB-Mouse Skripte. Der Mikrocontroller liest die 5-Byte-Pakete der Siemens-Maus im 1200-Baud-Takt ein und übersetzt sie in standardisierte USB-HID-Mausbefehle, die jeder moderne PC sofort ohne Treiber versteht. Gleichzeitig versorgt der USB-Port die Maus sicher mit den benötigten 5 Volt.

Technische Daten

Anschluß:

Seriell (DB25)

Layout:

Mouse

option-1

Herstellerbezeichnung:

6ES5685-2AA11 / 401162-034/52

Intern/Extern:

Extern

Baujahr:

1986 – 1988

Einführungspreis:

US-$

150.00

Verbaut in:

S/N:

Kompatible Computer