Micro Floppy Disc 3,5" SS/DD
Kapazität:
360
kB

Die 3,5" SS/DD-Diskette (Single Sided / Double Density) war die früheste Variante des 3,5"-Formats, das von Sony entwickelt wurde. Da sie nur einseitig beschrieben wurde, bot sie auf Standard-Systemen eine Kapazität von 360 KB (bei 80 Spuren und 9 Sektoren). Sie ist mechanisch an ihrem robusten Kunststoffgehäuse und dem metallischen Schutzschieber zu erkennen, besitzt aber im Gegensatz zur späteren HD-Diskette nur ein Loch im Gehäuse (den Schreibschutz-Schieber).
Aufgrund der geringeren Koerzitivkraft von 650 Oe dürfen SS/DD-Disketten niemals in einem HD-Laufwerk als HD-Diskette formatiert werden (und umgekehrt). Die Schreibköpfe von HD-Laufwerken arbeiten mit einem zu starken Magnetfeld, was bei den empfindlicheren SS/DD-Schichten zu partiellem Überreizen der Nachbarspuren und damit zu schleichendem Datenverlust führt.
Nutzung unter Nicht-PC-Systemen
Obwohl die Hardware oft bereits beidseitig lesende Laufwerke unterstützte, war die SS/DD-Diskette in der Übergangsphase von 5,25" zu 3,5" bei vielen Herstellern als Einstiegsformat verbreitet:
Apple Macintosh (1984): Der erste Mac nutzte ein einseitiges 400-KB-Laufwerk. Durch eine variable Rotationsgeschwindigkeit (Variable Speed), bei der die Diskette außen langsamer drehte als innen, holte Apple 400 KB aus einer SS/DD-Diskette heraus – deutlich mehr als die damals üblichen 360 KB bei PCs.
Commodore (Amiga & C64):
Amiga: Während der Amiga standardmäßig beidseitig (DS/DD) mit 880 KB arbeitete, konnten die Laufwerke problemlos SS/DD-Medien lesen und beschreiben, dann jedoch nur mit 440 KB.
C64/C128: Das seltene 3,5"-Laufwerk Commodore 1581 war zwar ein DS/DD-Laufwerk (800 KB), aber viele frühe 3,5"-Datenträger wurden aus Kostengründen als SS/DD-Versionen für CP/M-Systeme am C128 zweckentfremdet.
Atari ST: Die ersten Modelle (z. B. der 520 ST) wurden oft mit einseitigen Laufwerken ausgeliefert. Diese nutzten SS/DD-Disketten mit 360 KB (9 Sektoren) oder bis zu 400 KB (10 Sektoren mit speziellen Formatierungstools). Dies führte in der Atari-Community oft zu Frust, wenn Software auf beidseitigen Disketten (720 KB) ausgeliefert wurde.
Andere Systeme: Auch frühe Synthesizer (wie von Ensoniq) oder Taschencomputer nutzen SS/DD-Medien, da die Mechanik einseitiger Laufwerke flacher und günstiger in der Herstellung war.
Wichtiger Hinweis: SS/DD-Disketten sind heute extrem selten. Die meisten heute auffindbaren DD-Disketten sind bereits DS/DD (beidseitig). Da 3,5"-Laufwerke im Gegensatz zu 5,25"-Laufwerken die Diskette nicht "wenden" können (die Aussparungen im Gehäuse verhindern das), war eine echte SS/DD-Diskette meist nur eine preisreduzierte, einseitig geprüfte DS/DD-Diskette.
Magnetische Eigenschaften
Koerzitivkraft (Hc): Der Wert liegt bei ca. 600 bis 650 Oersted (Oe). Dies ist ein typischer Wert für magnetische Beschichtungen auf Eisenoxid-Basis. Zum Vergleich: Spätere HD-Disketten benötigten wegen einer Cobalt-Dotierung eine deutlich höhere Feldstärke von ca. 720 Oe.
Material der Magnetschicht: Als magnetisches Pigment wird vorwiegend Gamma-Eisenoxid verwendet, das auf eine flexible Trägerfolie (Mylar) aufgetragen ist.
Remanenz (Br): Die verbleibende Magnetisierung nach Abschalten des äußeren Feldes liegt im Bereich von ca. 60 bis 85mT (Millitesla), was für eine stabile Speicherung bei der damaligen Lesekopf-Empfindlichkeit ausreichte.
Flusswechseldichte (Bits per Inch): Die maximale lineare Aufzeichnungsdichte auf den innersten Spuren beträgt ca. 8.650 bpi (Flusswechsel pro Zoll / flux transitions per inch).
Spurdichte (Tracks per Inch): Die Standard-Spurdichte beträgt 135 tpi. Das bedeutet, dass die Spuren extrem dicht beieinanderliegen (Spurabstand ca. 0,188 mm), weshalb die mechanische Zentrierung der Diskette über die Metallnabe im Vergleich zu 5,25-Zoll-Disketten stark verbessert wurde.
Magnetisierungsrichtung: Es handelt sich um eine klassische longitudinale Magnetisierung. Die magnetischen Dipole werden also flach entlang der Spurrichtung (horizontal) und nicht senkrecht (vertikal) ausgerichtet.